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Du meine Güte, was war ich aufgeregt. Der CT-Termin hat mich wahnsinnig gemacht. Die Angst und Anspannung stand mit ins Gesicht geschrieben. Meine Haut war voller Pusteln und krebsrot (kleines Wortspiel, habt ihr es bemerkt ;-)) Ich schaute aus wie ein Monster. So schlimm war das noch nie! Aber ich kann meine Angst nicht einfach wie einen Wecker abstellen.

Als ich noch gesund war, bekam ich in solchen Situationen hektische Flecken. Jetzt haben sich die Anzeichen ins Gesicht verlagert. Man glaubt es kaum, aber meine Fingerkuppen waren dünn wie Pergamentpapier, unglaublich schmerzhaft und entzündet, dazu noch aufgesprungen, an einigen Stellen zeigte sich das rohe Fleisch. Alles, was ich anfasste, wurde blutig unterlegt. Zum Glück gibt es ja leichte Baumwollhandschuhe. 

Prinzessinnen und feine Damen trugen früher Handschuh und Rüschenschirmchen. Tja, es kommt ja nichts wirklich aus der Mode. Alles kommt wieder. Ich bin der Beweis, mit Schirm und Handschuhen bewaffnet, verließ ich das Haus zusammen mit meinem Mann, der mich liebevollerweise zum CT-Termin begleitete.

Zum ersten Mal seit unserem ersten Ausflug nach Holland vor zwei Monaten bin ich ohne Keilkissen auf dem Rücksitz sitzend, sondern eben ganz normal auf dem Beifahrersitz platznehmend mit ihm zur Klinik gefahren. Das ist schon wieder ein kleiner Fortschritt. Und ich bin ihm unendlich dankbar, dass er bei mir war!

 

Und was sehe ich, als wir uns der Klinik nähern? Da läuft eine junge Dame mit schwarzem Regenschirm bei Sonnenschein des Weges. Ich konnte es nicht fassen! Ich bin nicht allein mit meiner Idee und dem Mut, der Sonne mit Hilfe eines Regenschirms entgegenzutreten.

Insgeheim war mir das Mädel gleich sympathisch. Haben wir doch die gleiche in unseren Augen  perfekte Lösung gefunden.

Übrigens ist der tragbare Schirm in anderen Ländern ein gebräuchliches Mittel, um sich vor der Sonne zu schützen. Warum also wird man hier so merkwürdig angeschaut? Es gibt halt viele Menschen, die unfähig sind über ihren Tellerrand hinauszuschauen. Arme Menschen sind das.

 

In der Klinik angekommen wurde ich gleich zur Blutentnahme weitergeleitet. Es ist immer das Gleiche, man findet in meinen Armen keine geeigneten Adern. Ein Trauerspiel. Immerhin tröpfelte es dann doch, mein Blut. Der Zugang blieb direkt für das Kontrastmittel, welches mir während des CTs in die Vene gespritzt wird.

Die weiße Flüssigkeit, wovon ich gleich zwei Flaschen trinken musste, schmeckte einigermaßen erträglich. Bei der Wärme war es sogar nicht wirklich schwer, sich diese Menge einzuverleiben. Man darf halt nicht daran denken, was man da trinkt. Gesund geht zumindest anders.

Diesmal habe ich allerdings den metallischen Geschmack im Mund gespürt, als das Kontrastmittel während der Untersuchung einlief. Das war ekelhaft. Dafür gibt es auch keine schönere Bezeichnung. Bei ersten CT habe ich das in meinem damaligen Schockzustand gar nicht wahrgenommen.

 

Als wir uns wieder in der Ambulanz zurückgemeldeten, kam meine Ärztin schon um die Ecke und nahm uns direkt mit ins Besprechungszimmer.

Mir wurde ganz flau im Magen. Was wird sie uns erzählen? Was wird sie auf den CT-Bildern sehen? Mein Bauchgefühl blieb stumm. Stillstand im Gehirn. Absolute Leere. Angst lähmt. Das empfand ich wirklich so.

Da ich kein Mediziner bin, kann ich nur unfachmännisch beschreiben, was ich auf den Bildern “vorher” und “aktuell” sah. “Vorher” war da ganz viel Nebel auf dem Bild und “aktuell” sieht man alles klar!!! 

Meine Ärztin war völlig überrascht und absolut hochzufrieden. Sie rief, das sei ja unglaublich, eine Sensation, irre, der Hammer! So schnell und so klein, sei der Scheißkerl geworden! (Sie sagte nicht “Scheißkerl”, der Ausdruck stammt jetzt von mir ;-)) Da hat mein kleiner blauer Ordnungshüter anständig gearbeitet. Sie war begeistert, denn das, was ich auf dem alten Bild  als Nebel sehe, ist der Tumor, der sich wirklich überall ausgebreitet hatte. Jetzt ist er nur noch als winzig kleiner Punkt in voller Klarheit zu erkennen.

Da es sich bei mir um einen genetischen, mutierenden (sich drehenden) Tumor handelt, kann er irgendwann….aber…. jetzt sieht alles sehr gut aus! Und die Blutwerte sind ausnahmslos ALLE im Normalbereich!!! Das ist einfach so unglaublich!

Allerdings hat sich das Gerinsel vor der Leber noch nicht vollständig aufgelöst. Daher werden mich die beiden Thrombosespritzen täglich noch weiter begleiten. Meine Oberschenkel waren darüber nicht gerade hocherfreut, aber - und hier wiederhole ich mich gerne - schlimmer geht immer!

 

Nun gibt es natürlich wie überall im Leben neben der guten Seite auch die schlechte des netten kleinen blauen Ordnungshüter, wie ich meine Therapietablette liebevoll nenne. Ich bin ihr auch sehr dankbar, keine Frage, doch ärgert sie mich mit Nebenwirkungen wie eben z.B. der mittlerweile auch juckenden Akne im Gesicht, den offenen Stellen an Fingern und Zehen, Magenempfindlichkeit und einigen anderen Unschönheiten.

Im Augenblick (5 Tagen nach dem CT) hat sich der Zustand der Fingerkuppen wieder deutlich verbessert. Dafür sind leider die Zehen stark entzündet und offen, sie eitern und passen in keinen Schuh. Das wirft mich ein wenig zurück, da ich hier natürlich bzgl. der Hygiene aufpassen muss….

 

ABER und das möchte ich hier noch einmal deutlich betonen: Es gibt so viele Fälle, die viel viel schlimmer dran sind als ich!!! Daher bin ich einfach nur dankbar; meiner Ärztin dafür, dass sie gleich das richtige Mittel für mich gefunden hat, die richtige Therapie. Das ist nämlich auch keine Selbstverständlichkeit! Und ich bin auch dieser Tablette dankbar, dass sie gleich so gut gewirkt hat. Auch das ist nicht selbstverständlich, dass sie gleich so gezielt anschlägt.

Ich bin den Ärzten und Mitarbeitern der Uniklinik in Essen unendlich dankbar, dass sie nicht aufgegeben haben, nach dem Primärtumor zu suchen. Denn das war bei mir eine sehr komplizierte Angelegenheit. Ich bin auch der Medizin und der Forschung unendlich dankbar. Vor allem bin ich meinem Mann (und meiner Tochter) dankbar, dass er/sie das alles zusammen mit mir erträgt. Ich bin auch meinen Freunden und Freundinnen dankbar, die mich auf diesem Weg bislang -jeder auf seine Weise- unterstützt haben. Das gilt auch für alle anderen lieben Menschen, die mit mir hoffen, fühlen, leiden und auch wieder lachen.

 

Und gerade hatte ich sogar noch eine wundervolle Wiederbegegnung auf dem Friedhof. Das muss ich noch kurz erzählen.

Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an die herzliche ältere Dame (geschätzte 65, aber reelle 80), die mich Anfang Juni d. J. auf dem Friedhof ansprach und mir durch ihre Geschichte und ihre Herzlichkeit so viel Mut verliehen hat. (siehe Kapitel 4 in diesem Journal).

Micha und ich stehen vor Friedhelms Grab, da spricht uns eine ältere Dame an, er solle bitte den Hahn der Wasserstelle nicht so fest zudrehen. Sie bekäme ihn dann nur noch schwer auf. Erkannt haben wir sie beide nicht. Denn sie trug damals eine jung-moderne Kappe und heute eine flotte Frisur. Erst als sie mich ansah und fragte: "Sind Sie die Frau mit dem Regenschirm?" (ich war an diesem Abend ohne), da fiel bei uns der Groschen. Wir umarmten uns herzlich. Es war so schön, sie wiedergetroffen zu haben. Ihr Mann liegt nur zwei Reihen von Friedhelm entfernt. Sie erzählte, dass sie nun auch bald in die "Röhre" müsse, man habe bei ihr neben Brustkrebs auch etwas im Magen festgestellt. Sie sagt, sie habe davor Angst. Das konnte ich ihr gut nachfühlen, doch ich versuchte, ihr die Angst zu nehmen und erzählte kurz von meinem Erlebnis. Die "Röhre" ist gar nicht so schlimm. Die Vorstellung ist schlimmer. Ich hoffe und wünsche ihr ein gutes Ergebnis und ich freue mich darauf, wenn ich sie wieder treffe.

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