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So langsam stoße auch ich an meine Grenzen. Dabei sollte das hier ein Blog werden, der anderen Betroffenen Mut machen willl.... - ab und an verläßt mich dieser aber leider selber.

Mir schwirren immer wieder bestimmte Gedanken durch den Kopf, die ich auch mit nicht mehr schönreden kann....:
Was wird sein, wenn diese Tablette meine Füße und Beine - ja sogar mein Gesicht ruiniert? Von den vielen Haaren, die ich momentan verliere mal ganz zu schweigen. (ich erspare Dir / Euch jetzt den Anblick meiner Zehen).....
Immerhin gehe ich bald auf Tablette Nr. 90 zu und die Nebenwirkungen zeigen sich immer deutlicher und aggressiver. Wie wird es sein bei Tablette Nr. ....? - ok, lassen wir das....!

Meine Ärztin sagt, ich solle ich nicht verrückt machen und das "Jetzt" genießen. Das ist auch ein guter Gedanke - auf alle Fälle; würde ich als "normalfunktionierender Mensch" auch so empfehlen.
Aber als direkt Betroffener, denn hier geht es ja um MEIN Leben, sehe ich das doch ein wenig anders, eben weniger pragmatisch als eine Ärztin oder auch eine Freundin oder wer mir sonst noch so gut zureden mag. (bitte nicht falsch verstehen, ich bin trotzdem für jedes Wort und jede Geste dankbar!)

Alles im Leben hat zwei Seiten. Von meiner Seite aus betrachtet schwingt die Ungewissheit "Was ist, wenn...?" durchaus mit, denn sie betrifft mein Leben so nah wie nie zuvor.
Von der anderen Seite aus betrachtet kann ich nachvollziehen, wenn es jmd. gut mit mir meint und sagt: "Ach komm, jetzt geht es Dir doch gut. Warum willst Du das Negative nun heraufbeschwören? Genieße den Tag, freue Dich, dass es Dir wieder so gut geht! Die Nebenwirkungen sind doch nicht so schlimm, wenn sich wenigstens der Scheißkerl verkrümelt...."
Ja, ich kann das alles verstehen. Und es macht mich bekloppt. Denn leider verkrümelt sich der Scheißkerl nicht. Ich muss mit ihm leben - er ist immer dabei - und die Nebenwirkungen sind eben mittlerweile nur noch begrenzt erträglich - ohne nicht mal ab und an zu verzweifeln.

Klar, es ist schön - meine Blutwerte sind wunderbar (hoffentlich verändern sie sich nicht bald wieder zum Negativen....tja, der Gedanke ist da - den kann ich nicht ausradieren, auch wenn ich es gern möchte) - und auch der Tumor - der Scheißkerl - ist "so klein mit Hut" (ich mache das Fingerzeichen)....aber was ist, wenn er wieder größer wird? Was, wenn der kleiner blaue Ordnungshüter nicht nur den Scheißkerl, sondern am Ende auch meinen Körper fertig macht?
Wenn auch der Tumor durch ihn wieder ganz winzig wurde, so wird meine Haut durch ihn immer mehr zerstört und das aktuell nun auch an den Beinen. Unter anderem werden auch die Schleimhäute in Mitleidenschaft gezogen in Nase, Mund....alles verändert sich. Trocknet aus und tut einfach weh.

Nur weil der Tumor sich verkleinert und die Blutwerte im Normalbereich sind, heißt es nicht, dass ich gesund bin und jetzt alles wieder gut ist.
Nichts ist so, wie es einmal war. Das, was ich glaubte zu sein, bin ich nicht mehr. Weder unbesiegbar noch unendlich belastbar, auch glaube ich nicht mehr, dass es immer nur den Anderen trifft. Das Leben ist schön, aber es kann manchmal auch unberechenbar sein.

Nur weil ich manchmal lache heißt es nicht, dass ich unbeschwert fröhlich und wieder ganz die Alte bin. Und ich möchte auch diese unschöne Seite an mir nicht verstecken müssen. Denn das kann ich gar nicht, dazu bin ich viel zu sehr "Zwilling".

Natürlich ist es gesundheitsfördernd, wenn man an das Gute glaubt. Doch leider verlassen auch mich manchmal Mut und Glaube gleichzeitig.

Man soll sich nicht mit anderen vergleichen, doch manchmal schaue ich neidvoll und mit Unverständnis auf Menschen, die kerngesund sind, dies aber anscheinend gar nicht zu schätzen wissen (möchte ich jetzt nicht näher drauf eingehen, das würde den Rahmen sprengen, leider) und ihre Gesundheit vermutlich für eine Selbstverständlichkeit halten. Nichts in diesem Leben ist selbstverständlich!!! NICHTS!!!

Seelisch bin ich momentan ziemlich am Ende.

Und da ist ja noch die Trauer, die mich auffrisst.
Es ist als hätte man das Licht in meinem Leben ausgeknipst ...und in eine ewige Dunkelheit getaucht...
Das scheint überhaupt jeder zu ignorieren oder zu vergessen. Darauf geht auch so gut wie niemand mehr ein. Da gibt es niemandem, der mir weiterhilft. Wahrscheinlich kann mir da auch gar keiner weiterhelfen. Vermutlich muss man da generell alleine dadurch. Jeder trauert anders, geht damit anders um. Vermutlich meint so mancher, jetzt müsste es ja langsam gut sein, zumal schon fast 5 Monate vergangen sind. Aber es gibt kein Trauerprotokoll und am Ende ist man eben doch allein damit - mit allem.

 



Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist.
(Weisheit der Indianer)


 


Gestern war ich in der Bank und habe das Konto meiner Mama aufgelöst. Dieser Gang war schwer und kam mir ähnlich schlimm vor wie der Weg zur Beerdigung oder die Erkenntnis, dass man mir damals im Krankenhaus meine (!) Diagnose mitteilte oder eben dass es meine Ma nicht schaffen wird....! Der Gang zur Bank war ein Stück Realität, die mir die Endgültigkeit des Abschieds wieder so bewusst werden ließ.

Ich glaub, ich habe in den letzten 50 Jahren noch nie so viele Tränen der Verzweiflung und Trauer vergossen, wie in diesem letzten halben Jahr.

Der Bankangestellte freute sich, dass ich mal wieder dort vorbeischaute und fragte sogleich, wie es denn gehen würde. Meine Bemerkung, es gehe mir jetzt wieder gut wurde von ihm gleich mit einem Fragezeichen kommentiert und ich gewährte ihm einen kurzen Rückblick auf die letzten Ereignisse. Er hat sofort erkannt, dass es mir seelisch nicht gut geht und hielt damit auch nicht hinter´m Berg. Er selbst hat zwei Banküberfälle überlebt und konnte (zwar auf anderer Schiene) nachvollziehen wie es ist, wenn man seelisch am Ende ist und der Alltag durch das Erlebte völlig aus den Fugen gerät; das Leben eben nicht mehr so ist, wie es mal war und er hat mir auch ans Herz gelegt, mich in therapeutische Behandlung zugeben. Ein Therapeut kann ganz anders mit mir reden als es mein Mann oder meine Freunde können.
Der Therapeut hinterfragt die Situation geschult und völlig anders.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass mir jemand dazu rät, ich habe von verschiedenen Seiten von Freunden und nicht zuletzt auch von Micha die gleiche Empfehlung erhalten. Aber ich weiß nicht, ob das etwas für mich ist,....aber vielleicht weiß ich es erst, wenn ich es mal ausprobiert habe?

Hast Du vielleicht sogar eine Empfehlung für mich in meinem Umkreis? Dann schreib mir bitte unbedingt eine persönliche Nachricht!

Ich denke, dass die Therapeutin, welche mich damals im Tumorzentrum in Essen kurzfristig besuchte, nicht zählt. Ihr habe ich unter Zeitdruck (Zeit ist Geld und eben dadurch heutzutage auch nur begrenzt vorhanden - das fängt ja schon an der Supermarkt-Kasse an.... *kopfschüttel*) damals fast alles erzählt, das tat mir kurzzeitig gut, aber ich habe sie ja auch nur einmal gesehen und sie konnte mir eigentlich auch nur das mit auf den Weg geben, was andere nicht geschulte Menschen mir auch zuflüsterten: ˋKopf hoch´ und ˋSie machen das gut mit Ihrer positiven Einstellung´ und so weiter und so weiter.... Eine echte Hilfe war sie mir leider nicht, dabei war sie mir sehr sympathisch und mit Sicherheit auch sehr kompetent, doch alles in allem beruhte es auf einem Zeitproblem......auf Kosten des Patienten.... so ist das halt im wahren Leben....machen wir uns doch nichts vor!

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