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4. Kapitel – Anfang Juni 2019 – die wundersame Begegnung auf dem Friedhof
Meine Krankheit ist das eine – aber der plötzliche Tod meiner Ma ist das andere…..

Die Wohnungsauflösung steht morgen an. Auch darum kümmert sich natürlich auch mein Mann Michael. Seine Reserven an Kraft sind begrenzt und so langsam aber sicher auch ausgeschöpft….. Wer will ihm das verdenken?

Da ich nichts Schweres tragen kann, war ich in der letzten Zeit unbrauchbar. Dabei haben wir sonst immer alles gemeinsam geschafft. Sicherlich nie zu gleichen Teilen! Aber jetzt ging leider nichts mehr bei mir. Und somit bin ich keine Hilfe.

Zuhause kann ich recht gut verdrängen, ich sehe ihr Bild und das von Friedhelm mit der Kerze davor auf unserem Schrank. Und ich zünde die Kerze auch an. Aber dennoch ist die Wahrheit so weit weg – einfach surreal.

Letztens musste ich aber mit rüber in ihre Wohnung, um zu entscheiden, welche Dinge entsorgt werden können und welche nicht. – Die halbleere, zerpflückte Wohnung zu sehen, brach mir ein weiteres Mal das Herz. Zu Wissen, dass sie uns nie wieder fröhlich die Tür öffnen wird und zum Abschied nie wieder am Fenster stehen und winken wird, macht mich schirr wahnsinnig.

In der Uniklinik Essen kam einmal eine Therapeutin zu mir, sie war mir gleich sympathisch und ich konnte ihr alles erzählen. Noch nie war ich bei einer Therapeutin. Doch leider war auch ihre Zeit begrenzt und meine auch, da ich eben auch bald entlassen wurde. Somit habe ich zwar ein kurzes Feedback erhalten, aber mehr auch nicht. Und die Gelegenheit, dass sie zu mir auf´s Land kommt, ist ziemlich utopisch. Hilft also auch nicht wirklich. Dennoch denke ich, ich muss damit alleine fertig werden. Irgendwie, irgendwann….

Wenn ich auf dem Friedhof vor dem Grab meiner Ma stehe und lese auf dem kleinen Holzkreuz ihren Namen, kommt mir das so unwirklich vor. Da hat sich bestimmt jemand verschrieben…

Einigen Menschen begegnet man zu einer bestimmten, passenden Zeit – einfach so – und hinterher weiß man warum. Das ist mir schon öfter passiert. Es heißt: „Es gibt kein zufälliges Treffen. Jeder Mensch in unserem Leben ist entweder ein Test, eine Strafe oder ein Geschenk.“

Als ich mit meinen Mann Micha vor ein paar Tagen auf dem Friedhof war, ich mich wieder wie ein Vampir vor der Sonne schützen musste und meinen roten weiß gepunkteten Regenschirm aufgespannt hatte, sprach uns eine schlanke, flott gekleidete Dame mit Capi an. Sie fragte meinen Mann, warum ich mich vor der Sonne schützen müsse. Und er erklärte ihr, dass dies aus gesundheitlichen Gründen notwendig sei. Sie kam direkt auf mich zu und sagte, dass ihre Tochter sich auch vor der Sonne schützen müsse und deshalb habe sie den ganzen Garten voller Sonnenschirme. Sie fragte mich nach der Krankheit und ich erklärte es ihr. Spontan umarmte sie mich immer wieder, als wären wir alte Bekannte und fragte mich, ob sie „Du“ sagen dürfe. Ich hatte nichts dagegen und dann erzählte sie, dass sie nächste Woche 80 Jahre alt werde und sie damals vor 63 Jahre ihre Zwillinge ganz alleine Zuhause gebar. Wir unterbrachen sie ungläubig, 80 Jahre? kaum ein Fältchen, zarte weiche Haut und vom Erscheinungsbild – ganz ehrlich – noch keine 65 Jahre – unglaublich!!! Sie war so herzlich und erzählte ein bisschen von sich und ihrem Mann, der ebenfalls Lungenkrebs bekam und damit das hohe Alter von 86 Jahren erreicht hat. Sie sprach mir Zuversicht und Mut zu, ich solle auch ruhig an Engel glauben. Sie erzählte, dass sie selbst auch gesundheitlich ziemlich viel habe mitmachen müssen. Dabei war sie so fröhlich und jugendlich.

Diese Begegnung mit dieser Frau war definitiv ein Geschenk! Danach war ich auf einmal so beschwingt und ausgeglichen, voller Zuversicht und Mut, wie ich ihn seit den schrecklichen Ereignissen noch nie gespürt habe. – Manchmal ist es ein Wunder, wie andere Menschen auf uns selber wirken.

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