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Nun, was soll ich sagen? Heute morgen nahm ich ihn zum 7. Mal in mich auf.

In den ersten Tagen haben wir tatsächlich Freundschaft geschlossen, der kleine blaue Ordnungshüter und ich.

Nach der allerersten Einnahme meinte ich jedoch, etwas (er?) bewirke eine Art allergische Reaktion in meinem Hals. Ich musste mich ständig räuspern und husten. Am 2. Tag konnte ich das jedoch mit reiner Einbildung meinerseits abtun. Die Kraft der Gedanken sind nicht immer hilfreich, wenn sie nach hinten losgehen. Es ging es mir nämlich richtig gut mit ihm.

Ebenso am 3., 4. und 5. Tag. Mir ist sogar aufgefallen, dass die Narbe unter meiner linken Achsel, die von der Lymphknotenentnahme aus April 2019 stammt und im Nachhinein so dick wurde wie ein Wachtelei, viel kleiner geworden ist. Bilde ich es mir ein, oder sind auch die verdickten Lymphknoten linksseitig an meinem Hals glatter geworden? Ich huste nicht mehr, bekomme richtig tief Luft und fühle mich insgesamt viel besser als in den Tagen / Wochen / Monaten zuvor.

Ich habe mich sogar ohne Begleitung auf die Straße getraut (ja, lacht nur – hihi) und bin in Richtung unseres nahe gelegenen Versandshops gelaufen, um drei kleine, leichte Päckchen wegzubringen. Die Treppen runter waren nie ein Thema, aber anschließend wieder rauf ein arges Luftproblem. Nicht so jetzt! Klar, ich hüpfe nicht gerade wie ein junges Reh über Treppen und Straße, aber „wer langsam läuft, kommt auch ans Ziel“. Die Puste geht mir aktuell nicht mehr so schnell aus.

Ich war natürlich wieder mit meinem schönen roten Regenschirm unterwegs und eine ältere Frau sprach mich darauf an: „Hut ab“, sagte sie zu mir. Sie selbst dürfe auch nicht in die Sonne und müsse sich schützen, hatte aber weder Hut noch Schirm dabei. Sie bewunderte mich tatsächlich, dass ich mich in der Öffentlichkeit mithilfe meines Regenschirms vor der Sonne schütze. Ich fand ihr positives Feedback bereichernd, aber andersherum gefragt: Warum sollte ich es nicht tun? Weil ein Regenschirm, wie die Bezeichung schon sagt, vor Regen und nicht vor Sonne schützen soll? Meiner kann beides! Warum sollte ich diese Fähigkeit meines vielseitigen Schirms dann nicht nutzen?

Ebenso habe ich bemerkt, dass meine Lanula* (zu dt. „kleiner Mond“) an Daumen und den übrigen Fingern so langsam wieder sichtbar wird. Diese waren nämlich durch den super niedrigen HB-Wert gar nicht mehr vorhanden. Laut den letzten Laborwerten ist mein HB-Wert sogar wieder leicht angestiegen – ganz ohne weiere Bluttransfusion! (Allerdings auch ohne das Zutun des Ordnungshüters.) Ich hätte schreien können vor Freude!!

*Lanula ist der milchig weiße Halbmond, der sich auf den Fingern, meistens aber am besten auf dem Daumennagel abzeichnet. Sie sagt einiges über die Gesundheit aus. Ist sie besonders scharf defininiert und weiß, ist das ein gutes Zeichen für den Körper. Je weißer, desto energiegeladener und gesünder. Ist sie blasser oder gar nicht vorhanden, könnte es darauf hindeuten, dass nicht genug Blutzirkulation im Körper stattfindet. Das Ganze zieht Müdigkeit, Schwäche und einen langsamen Stoffwechsel nach sich.

Gestern morgen (Tag 6) sah ich dann die ersten „versprochenen“ Nebenwirkungen direkt an meinen Wangenknochen ganz in der Nähe des jeweiligen Ohrs. Eine nette kleine rote Akne breitet sich dort aus. Ich werde pubertär. Dabei hatte ich selbst während meiner Pubertät (lang, lang ist es her) keinerlei Probleme mit Pickeln & Co. Tja, man entgeht anscheinend nichts im wahren Leben, egal wie alt man ist.

Heute morgen (Tag 7) fängt die Ausbreitung schon minimal an – das kann ja heiter werden…. ABER, im Vergleich zum „kleinen grünen Kobolt“, der mir 4 x täglich zusammen mit literweise Flüssigkeit zzgl. einer Immuntherapie im Anschluss an den letzten Durchgang durch die Venen gejagt wurde, ist eine Tablette zu schlucken, noch immer die angenehmste Variante, glaubt es mir. Ich hoffe, es bleibt bei dererlei Nebenwirkungen. Aber ich will den Tag nicht vor dem Abend loben. Wir sind ja bekanntlich noch in der Kennlernphase……

Der kleine blaue Ordnungshüter bewirkt bis jetzt anscheinend, dass es mir körperlich viel besser geht. Ich kann zwar noch keine Bäume ausreissen und ich fühle mich auch noch nicht kerngesund, aber fitter als vor Wochen und Monaten allemal. Von sportlicher Fitness bin ich allerdings noch weit entfernt!

Doch konnten wir gestern unseren ersten Ausflug mit dem Cabrio wagen. Die Fahrt ging nach Haltern. Mir ging es soweit gut; ungewöhnlich, dass ich ganz normal, ohne die Füße hochlegen zu müssen, auf dem Beifahrersitz Platz nehmen konnte. Keine Ödeme in den Beinen, trotz Wärme. Wunderbar. Dass ich je wieder in mein altes Kleid passen würde, erschien mir ebenso verwunderlich. Nie hätte ich gedacht, dass ich es jemals wieder tragen würde.

 Gut eingeschmiert mit LSF 50, bewaffnet mit Sonnenhut während der Fahrt, Regenschirm und Schultertuch für den restlichen Teil des Tages, ging es los. Es tat einfach gut!

 Auf dem Rückweg zog es uns in meine zweite Heimat. Leider befanden sich die Person und der schwarze Vierbeiner, die ich anzutreffen hoffte noch auf der Rückreise. Aber die gute Seele des Hauses war anwesend und meine liebe Kollegin, die gerade zur Trainingsstunde auf den Hof fuhr. Es war wie „nach Hause kommen“ und es machte mich glücklich, endlich wieder einmal dort gewesen zu sein. Etwas Normalität, etwas Alltag spüren zu dürfen. Ich weiß, dass es nie wieder so unbeschwert sein wird, wie es einmal war.

Aber ein kleiner Anfang ist schon geschafft. Und ich werde alles Erforderliche tun, dass es zumindest wieder fast so wird wie früher. 

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