Zwei Schicksalsschläge an einem Tag

und plötzlich ist alles anders...

Schön, dass Du da bist auf meiner Lebensbühne!

(Das Leben ist ein Schauspielhaus - das Schicksal teilt die Rollen aus...)

 

29.11.2019

Ich bin wieder da!

29.11.2019

Nach einer Woche des Einigelns möchte ich versuchen zu berichten, was sich am vergangenen Freitag, den 22.11.2019 und Montag, den 25.11.2019 in der Uniklinik ereignet hat und in mir einen Superschock inklusive Blockade ausgelöst hat.

Astrid Lindgreen.jpg

Ohne meine Freundin Danie, die Micha, da dieser geschäftlich verhindert war, gebührend vertreten hat, hätte ich den Tag nicht ohne emotionalen Zusammenbruch überstanden.

Allein, dass sie sich schon Wochen zuvor selbstlos und spontan angeboten hat, mich zu dem CT Termin zu begleiten und dafür alle eigenen Termine abgesagt oder verschoben hat, hat mir vorab schon unglaublich den Rücken gestärkt!

Wir werden also um 8 Uhr von Zuhause mit dem Taxi abgeholt und fahren in die Uniklinik. Unterwegs trinke ich schon mal meinen Shoppen. Eine weiße - relativ angenehm schmeckende - Flüssigkeit (wenn man bedenkt, was es in Wirklichkeit ist), die ich mir am Morgen selbst angerührt habe, namens Kontrastmittel. Ich habe wirklich schon Leckeres getrunken, aber wichtig ist dabei, unbedingt das Kopfkino auszuschalten. Was macht dieses Zeug mit Deinem Körper?

An der Uniklinik angekommen, müssen wir zunächst zur Anmeldung in die Ambulanz, dort dann direkt zur Blutabnahme. Blut ist immer sehr begehrt in der Klinik! Wieviel Blut ich in diesem Jahr schon dort oder woanders gelassen und vor allem gesehen habe, würde jeden Krimi sprengen.

Sehr pünktlich dürfen wir dann zur Strahlenklinik überwechseln, wo ich zunächst einen Fragebogen ausfüllen und dann wieder einmal warten muss…Zum Glück habe ich eine starke Begleitung an meiner Seite und noch viele besonders liebe Freundinnen, die gedanklich ganz nah dabei sind. Ich denke, jede von Euch weiß, ob sie sich angesprochen fühlt oder nicht. ;-)

Obwohl ich mega aufgeregt bin, fühle ich mich super stark, ich könnte einen Marathon laufen (die, die mich kennen wissen, dass ich das auch in gesundem Zustand nie schaffen würde, aber Ihr wisst sicherlich, wie ich das meine).

Als ich aufgerufen werde, um mich in diese Röhre zu legen, muss ich mich sehr zusammennehmen. Es kommt wie es kommt, es ist wie es ist…. - daran kann ich jetzt nichts ändern. Engelchen und Teufelchen plappern wild durcheinander und begleiten mich auf die Bahre und nach ca. 10 Minuten, aber gefühlten 2 Stunden später, schwinge ich mich wie ein Jungspund von der Liege.

Noch Ende August, beim letzten CT, musste man mir beim Aufstehen helfen!!!

Da soll mir doch einer weis machen, dass hier nicht wieder alles tippi toppi ist!!!

Mit einem dennoch mulmigen Gefühl gehen wir wieder in die Ambulanz und müssen dort natürlich warten….und warten….und warten….und? Genau: WARTEN!

Ohne Danie an meiner Seite wäre ich schirr bekloppt geworden. Dieses Wartezimmer ist eine emotionale Folterkammer. Hier fließen viele Tränen. Und das Schlimme ist, es ist immer voll!!! Es gibt so viele Menschen, die der Krebs befallen hat. 

Krebs ist eine Volkskrankheit geworden, wie früher Pest und Cholera. Es ist erschreckend. Und das Schlimme ist, der Krebs sucht sich die Menschen nicht nach dem Alter aus. Es gibt auch sehr viele kleine Kinder, ja sogar Säuglinge, die ich dort schon gesehen habe. Traurig ist das!

Scheißkerle sind heimtückisch!

Und Ihr da draußen, die Ihr gesund und munter seid, wisst das doch endlich mal zu schätzen!!!

Gesundheit und innere Zufriedenheit sind das Allerwichtigste. Nicht Geld, nicht Macht, nicht Trallala…

Nachmittags gegen 15 Uhr höre ich endlich: “Frau Schmidt” und wir zockeln ab in das Besprechungszimmer meiner Ärztin.

Sie kommt sogleich zur Sache, da gibt es auch nichts schön zu reden…

Oh doch, vielleicht, der Primärtumor in der Lunge ist nochmal kleiner geworden!!! Das Blutbild ist super!!! Ich fühle mich (noch) gut!!!

ABER: Die Lymphknoten am Hals werden nicht dicker, weil das von mir so sehr verhasste Minocyclin seine Nebenwirkungen hinterlassen hat, sondern weil mein kleiner blauer Ordnungshüter seine Arbeit vernachlässigt. Der Tumor breitet sich weiter aus. Es gibt im Bauchraum ebenfalls verdickte Lymphe und die Nebenniere ist drastisch gewachsen, Metastasierung sei dank…

Wir müssen die Therapie ändern. Der Ordnungshüter wird gefeuert…doch er hat eine Kündigungsfrist, die muss er noch einhalten!

Um an eine neue Tablette (Osimertinib) zu kommen, muss man bei mir erst eine Untermutation nachweisen. Denn dieses Medikament hilft Lungentumor-Patienten mit EGFR, wenn sie eine  Untermutation haben.

Habe ich diese Untermutation nicht, käme diese Tablette nur in Form einer Studie für mich infrage.

(Bürokratenscheiß!) (Im Normalfall wähle ich meine Worte sachlich, aber das hier übersteigt mein Verständnis für gutes Benehmen und Disziplin!)

Bei dem Wort Studie halte ich schon wieder mein Schild “DAGEGEN!” in die Höhe. Bei dem Wort bekomme ich Ausschlag!!!

Doch es hilft nichts. Einige Patienten mit fehlender Untermutation sprechen trotzdem auf Osimertinib an. Und darum heißt es nun wieder mal abwarten.

Am darauf folgenden Montag muss ich nämlich wieder in die Uniklinik, da mir dort erneut Blut abgenommen wird, welches direkt in die Pathologie zur Untersuchung geht. (Am Freitag Nachmittag war die Pathologie schon geschlossen und als Sommer-Vampir weiß ich: Blut muss immer ganz frisch sein!

Bis das Ergebnis vorliegt, können bis zu 2 Wochen ins Land gehen.

Zwei Wochen also freie Bahn für den Scheißkerl - hey, so ein Spaß für ihn! Gönnerhaft ist hier wohl jetzt das falsche Wort?

Meine Afatinib wirkt ja nur noch halbherzig. Doch so richtig böse sein, kann ich ihr nicht. Hat sie mir doch geholfen, wieder am richtigen Leben teilzunehmen. Mein HB ging mit ihr von 5,8 auf 13,6. Bei 3,0 wäre Schluss gewesen….vielleicht erinnert Ihr Euch?

Meine Lymphknoten am Hals werden nun immer dicker, wie es in mir ausschaut, möchte ich mir nicht bildhaft vorstellen…

Und hier lese ich gerade etwas Interessantes über die Kraft der Gedanken und Visualisierung!

Seit gestern hat mich ein Kratzen im Hals heimgesucht, welches ich mit Dolo-Dobendan (unbezahlte WERBUNG) versuche, aus der Welt zu schaffen. Meine liebe Ärztin hat mir diesen Rat direkt gegeben, als ich sie gestern per Email kontaktierte.

Heute ist das Kratzen in einen leichten zum Abend heftiger werdenden Hustenreiz umgeschlagen.

Ich will wieder nach Madeira, da gibt es wenigstens freundliche Temperaturen.

Man kann dem schlechten Wetter davonlaufen, aber man kann Krankheiten wie Krebs und Erkältung, wenn man sie erstmal hat, nicht von sich abschütteln, als wäre es ein Regenschauer auf dem Schirm.

Herr und Frau Angst und natürlich auch Fräulein Ungewiss begleiten mich und den Scheißkerl also erstmal weiterhin.

Was ist das nur für ein Jahr?

Michaela Schmidt - 20:07 | 1 Kommentar

  1. Birgit

    29.11.2019

    Es gibt noch genug Möglichkeiten um dem Alien den Garaus zu machen.
    Sind Sie in einem zertifizierten Lungenkrebszentrum ?
    Ich wünsche alles Gute und Kopf hoch.
    Bitte versuchen Sie weiterhin positiv zu denken.
    Ich weiss es ist sehr sehr schwer, mein Mann ist ebenfalls an LK erkrankt.
    Ich versuche ihm jeden Tag Mut zu machen. Die Angst ist mein ständiger Begleiter.

Kommentar hinzufügen

Die Felder Name und Kommentar sind Pflichtfelder.


Gefällt mir


7516
E-Mail
Anruf
Karte
Infos
Instagram
LinkedIn