Zwei Schicksalsschläge an einem Tag

und plötzlich ist alles anders...

Schön, dass Du da bist auf meiner Bühne des Lebens! 

Das Leben ist ein Schauspielhaus - das Schicksal teilt die Rollen aus...

 
 

21.02.2020

2. Chemo-Zyklus, die Kathastrophe und die Tage danach…..

03.02.2020

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Nicht, dass ich diesen Tag unbedingt herbeigesehnt hätte…. - ganz im Gegenteil…..meine 2. Chemo, heute ist es soweit. …. 

Echte Freunde sind unglaublich wichtig und man erkennt sie daran, dass sie wirklich bereit sind, Dir zu helfen, in dem sie Dich unterstützen, Dir unter die Arme greifen, Dir etwas Gutes tun, einfach für Dich da sind und Dich nicht allein lassen. 

Ich bin meiner Freundin Biene unendlich dankbar, dass sie mich an diesem Tag zur Uniklinik begleitet, dass sie mir beisteht und dass sie sogar froh und glücklich ist, endlich etwas für mich tun zu können, wie sie es selbst ausdrückt! Und mehr noch, damit entlastet sie Micha auch ungemein, denn er hätte sonst wieder einen Tag Urlaub nehmen müssen, um mich zu begleiten…. 

Um halb 7 kommt unser Taxi, Biene ist pünktlich bei mir und schleppt auch noch meinen super schweren Proviantkorb mit dem Malzbier mit.

Ich sitze hinten im Wagen und bin sehr froh, dass ich meinen rechten Fuß, der gestern noch ziemlich geschwollen war, hochlegen zu dürfen. 

Biene nimmt vorne Platz und unterhält sich mit unserem Fahrer. Ich bin froh, nichts sagen zu müssen. 

In der Uniklinik angekommen, nehmen wir den Fahrstuhl in die erste Etage und obwohl wir so früh da sind, müssen wir noch ein wenig Anstehen, um mich anzumelden. Biene macht das für mich, ich darf mich in den Gang setzen. Stehen ist momentan sehr anstrengend für mich. 

Trotzdem dauert es, bis ich zur Blutentnahme ins Labor gerufen werde. Und hier ist es wie immer das gleiche Problem, eine geeignete Vene zu finden, die Blut abgibt und die einen guten Zugang für die Therapie hergibt. 

Und wieder müssen wir warten…zum Arztgespräch 

Heute bin ich bei einem weiteren Vertretungsarzt, der sehr sympathisch ist und auch sehr fürsorglich. Er bietet mir direkt seinen Arm an und stützt mich beim Gang in sein Büro, als er merkt, dass ich ziemlich schwach auf den Beinen bin. Biene folgt uns. 

Nach einem ausführlichen Gespräch mit seiner Mahnung an mich, ruhig eine Tablette gegen Übelkeit zu nehmen, falls erforderlich, denn es sei wichtig, dass ich esse…. Mir fällt das Essen immer schwerer und mittlerweile habe ich mich sogar die “Astronautenkost” herangewagt. Die schmeckt natürlich auch nicht, aber ich habe mittlerweile festgestell, kalt um einiges besser und wenn man sie aus einem Glas trinkt bei weitem besser als aus der Verpackung. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, sie mit frischen Früchten zusammen in einen Mixer zu geben, so schmeckt es wie ein Shake…. 

Trotzdem wiege ich im Augenblick nur noch 49.5 kg und der Gewichtsverlust wird nicht durch meine mittlerweile ausgefallenen, dicken, langen Haare verursacht…..  Es war für mich übrigens ein regelrechter Schock und kein schönes Gefühl, als sie sich einfach so beim Haarewaschen lösten. Ich konnte sie büschelweise einfach ablösen, als wären sie zuvor nur festgeklebt gewesen und die Klebe habe nun ihre Kraft verloren…… - auch das kratzt am Ego….tatsächlich 

Es geht nun eine Etage höher zur Therapie. Ich melde mich an und gebe sofort an, dass mein Arzt schon vor ein paar Wochen veranlasst hat, dass mir ein Bett zur Verfügung gestellt werden solle. Leider sei keines verfügbar, kam die niederschmetternde Antwort. Ich sage, er habe aber extra eines geordert, weil ich so schwach bin. Ohne Erfolg….. man geleitet uns in den Therapieraum, die Therapiestühle sind im Prinzip nicht unbequem, sondern sehr modern, man kann sie auch in Liegeposition stellen usw., aber ein Bett ist doch etwas anderes….. 

Die zuständige Schwester ist ganz allein für 8 Patienten in dem Raum zuständig und vermutlich noch für weiter 8 im Nebenraum. Sie hat eine Wahnsinnsverantwortung. Sie muss jedem Patienten die richtigen Beutel in der richtigen Reihenfolge und Geschwindigkeit anhängen und einstellen. Es herrscht Hektik und zudem hat der Patient mir gegenüber auch noch Tumorschmerzen, er wartet auch auf ein Bett…..Die Schwester kümmert sich trotz aller Hektik und Zeitdruck auch sehr um ihn und seine Angehörigen, muss dennoch aber alles im Blick behalten. Als ich ihr sage, man habe mir bereits ein Bett bestellt, sagt sie, wenn eines frei werde, bekäme erst der Patient mir gegenüber ein verfügbares. Und wenn ich auf der Liege nicht Platz nehmen könne, können wir die Therapie heute nicht weiterführen……Das will ich natürlich auch nicht. Ich frage mehrmals nach einer Decke und einem Kissen….Da sie aber ganz alleine ist, dauert es entsprechend. Es ist unglaublich, wie viel Verantwortung dieser Job fordert. 

Meine Freundin Biene vertreibt mir die Zeit, es ist schön und beruhigend, sie an meiner Seite zu wissen! XXX Ab und an schlafe ich ein, bedingt durch die verschiedenen Infusionen. 

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Als es gegen Abend dem Ende entgegen geht, ich habe aufgehört, die Anzahl der verschiedenen Beutel zu zählen, kommt mein Vertretungsarzt noch einmal zu mir mit verschiedenen Rezepten. Wir wechseln ein paar Worte, dann geht er wieder. Biene bemerkt, dass ich danach ganz plötzlich so fleckig und rot werde im Gesicht. Und dann fange ich plötzlich an zu husten, ich kriege mich nicht mehr ein. Zuerst denke ich, es sei durch die trockene Luft im Raum. Aber der Anfall hört gar nicht auf….. 

Biene sagt, sie renne und schaue, ob sie den Arzt noch erwische…..unterwegs muss sie wohl auf die Schwester getroffen sein, die rennt sofort zu mir, ich höre von ihr nur “Ach Du meine Güte….” 

Ich habe aufgrund eines bestimmten verabreichten Medikamentes eine Allergische Reaktion! Ich kann zwischen den Hustenanfällen nicht mehr atmen. Ich bekomme keine Luft mehr. Ich habe Angst zu ersticken. Ich habe Todesangst!!! 

Inzwischen sind auch Biene und Arzt zurück. Was um mich herum passiert, nehme ich nur sporadisch wahr… Biene hält mir die Hand und versucht, mich zu beruhigen. Ruhig atmen und auch der Arzt sei dabei. Die Schwester versucht, mir ein Gegenmittel zu spritzen, aber mein Zugang ist nicht mehr in Ordnung, es brennt unglaublich. Seitdem habe ich Schmerzen im linken Arm, in der Hand, in den Fingern. 

Die Schwester versucht, mir einen neuen Zugang zu legen….das ist nicht einfach, und ich höre immer ein nervöses “schei…” Es muss schnell gehen….eigentlich! Doch dann gelingt es! 

Ich werde in ein Bett umgelagert und beruhige mich so langsam, auch kann ich wieder atmen. 

Aber der Schock sitzt tief, ebenso die Angst! 

Ich soll rüber auf die Station für eine Nacht zur Beobachtung. 

Als mich die Schwester zusammen mit ihrer Kollegin rüberfährt in das Nebengebäude, sage ich scherzhaft zu ihr: “Jetzt habe ich mein Bett doch noch bekommen….” 

Es war irgendwie schön, die Station und bekannte Mitarbeiter wiederzusehen. Besonders habe ich mich gefreut Schwester Nilay, zu der ich bereits im Mai 2019 eine merkwürdige Verbindung spürte, wiederzusehen! War das eine freudige Überraschung! Und ich hatte wieder einmal Glück, ich wurde in ein Zweibett-Zimmer geschoben, dessen vorhandenes Bett abgedeckt war. Also wieder ein Zimmer für mich allein! 

04.02.2020

Am nächsten Morgen bekomme ich Frühstück und ich schaffe sogar sogar ein Brötchen mit Quark und Marmelade und einen Kaffee… 

Gegen Mittag werde ich entlassen. Ich lasse mir mein Taxi bestellen, den Taxischein hat mir die bekannte Dame an der Rezeption extra für die Hin- und Rückfahrt ausgestellt. 

Der Taxifahrer ist so nett und holt mich in meinem Zimmer ab, er trägt auch meinen Korb. Wir fahren mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss und müssen nachdem wir aus der Eingangstür sind wieder eine freie Treppe mit ca.10 Stufen hoch. Für mich einen unglaubliche Hürde …. Der Taxifahrer trägt zwar meinen Korb, aber er achtet gar nicht, ob ich die Treppen überhaupt schaffe…..zumal ich mich dort nirgendwo festhalten, geschweige unterstützend an einem Geländer hochziehen kann….. Ich wanke vorsichtig, Stufe um Stufe, die ich nun mit eigener Kraft erklimmen muss, dabei aber nicht nach hinten fallen darf….gar nicht so einfach nach so einer Chemotherapie …. Aber ich habe es geschafft. …und dann sind ja auch noch die Treppen in unserem Haus, die ich wieder nach oben muss….. 

Bevor wir losfahren, klärt mich der Taxifahrer auf über die lustigen Regeln der Krankenkassen. Da ich eine Befreiung für Fahrten zwischen Ambulanz und Zuhause habe, musste ich einen geringen Eigenanteil zahlen. Da mich der Fahrer aber nur zwei Häuser weiter aus der stationären Abteilung abgeholt hat, gilt die Rückfahrt nicht als “Aufschub von gestern”, denn Biene wurde von ihrem Mann abgeholt, es gab also keine Rückfahrt. Diese hier sei also nicht mehr von der Ambulanz aus einzustufen, sondern stationär und hier müsse ich nochmals einen Eigenanteil zahlen. Ich nehme es mit Humor, zahle meinen Eigenanteil und grinse. Mir ist das schleierhaft und es ist mir auch egal, weil ich mich mit sowas einfach nicht mehr befasse!!!  

Die kommenden 2 - 3 Tage liege ich wie im Koma da und schlafe ständig. Bekanntlich isst man während des Schlafens auch nichts…… 

12.02. - 14.02.2020
  
In dieser Zeit bin ich alleine, da Micha geschäftlich nach Nürnberg muss. Das Wissen darum beunruhigt meinen Mann sehr! 

Meine Freundin Danie bietet sich spontan an, mir für die drei Tage eine kräftige Rindfleischsuppe mit Einlage zu kochen. Und da ich ja durch meine zerstörten Mundschleimhäute nichts kauen kann, hat sie mir die Suppe kurzerhand püriert! Weiterhin hat sie mir dazu noch ein paar Kleinigkeiten eingekauft. Und ihr Mann Klausi hat mir alles bis in die Küche gebracht, damit ich nichts mehr tragen muss. Das ist wahre Freundschaft und es sind hilfreiche Freundschaftsdienste, die spontan und von Herzen kommen. Ich bin den Beiden so dankbar!!!

Michaela Schmidt - 14:06 | Kommentar hinzufügen

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