Zwei Schicksalsschläge an einem Tag

und plötzlich ist alles anders...

Schön, dass Du da bist auf meiner Bühne des Lebens! 

Das Leben ist ein Schauspielhaus - das Schicksal teilt die Rollen aus...

 
 

13.03.2020

3. Chemo-Zyklus und seine bekannten Folgen

25.02.2020 (Faschingsdienstag)

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Helau und auf zum 3. Chemo-Zyklus….. Zum Glück bin ich aus dem Karneval herausgewachsen. Damit habe ich nichts mehr am Hut.

Der Ablauf solcher Chemo-Tage ist eigentlich immer gleich. Um halb 7 Uhr kommt das Taxi, ich sitze alleine hinten, um die Beine hochlegen zu können. Ich bin sehr dankbar für den Service des Mietwagen-Taxi-Unternehmens Schwarz aus Essen. (www.taxi-schwarz.de) Die Fahrer sind allesamt sehr aufmerksam und nett. Die Beförderung ist komfortabler als in einem normalen Taxi.

In der Uniklinik angekommen, sind wir leider nicht die ersten, die sich anmelden möchten. Es ist unglaublich…. Ich bin sehr schwach und werde mit dem Rollstuhl gefahren.

Ins Labor gehe ich mit unsicheren Schritten allein. Es ist nicht einfach, mir einen Zugang zu legen. Die dünnen, abgemagerten Ärmchen lassen kaum Venen ans Licht. Wahrscheinlich wäre ein Port gar nicht so falsch gewesen. Aber hierzu konnte ich mich bislang nicht durchringen….

Zum Glück gibt es im Labor erfahrene Schwestern, die es immer irgendwie hinbekommen, mir Blut abzuzapfen und daraus den Zugang zu legen.

Dann heißt es wieder einmal warten, warten, warten, bis wir vom Arzt zum Gespräch aufgerufen werden. Er schreibt mir ein paar Rezepte aus und schon geht es ab, eine Etage höher in den Therapieraum. Zum Glück klappt es direkt mit dem Bett, welches ich schon vor zwei Wochen telefonisch vorbestellt habe. Das ist schon einmal die halbe Miete! Für mich zumindest!

Alles ist wie immer und gegen Mittag wird der erste Beutel von ? (ich habe aufgehört nachzuzählen) an meinen Zugang angeschlossen. Vorher noch ein Tablettchen gegen Übelkeit und ein Tablettchen gegen Schmerzen und Fieber (prophylaktisch) und ein Beutelchen Flüssigkeit, weil ich ja zu wenig trinke im Allgemeinen… und diesmal noch zusätzlich ein Beutelchen Antiallergikum, weil ich beim letzten Male auf die Immuntherapie so drastisch reagiert habe. Na, da sollte dann ja eigentlich nix mehr schiefgehen…..

Die beiden netten Schwestern, die mich abwechselnd betreuen, fragen mich, wie die Reaktion denn aussah, die beim letzten Male aufgetreten ist. Sowas sei nämlich noch nie vorgekommen, bislang habe darauf noch niemand allergisch reagiert.

Klar, Frau Schmidt ist und war ja schon immer etwas anders als andere…. ;-) 

Ich erzähle die Einzelheiten und die Schwestern meinen, das solle aber heute nicht mehr vorkommen, sowas wollen sie nicht hautnah miterleben….tja - ich auch nicht - aber wer fragt denn schon danach? 

Als besagter Beutel am Ende des Tages zum Einsatz kommt, bin ich guter Dinge….nur nicht drüber nachdenken….kein Kopfkino, denn das ist das Schlimmste. 

20 Minuten hängt der Beutel schon an mir und alles ist gut. Na also. :-) 

Doch als ich dann plötzlich beim Reden einen Hustenanfall bekomme, steht die erste Schwester schon im Türrahmen und fragt, ob alles gut sei. Ich nicke und sie sieht, dass ich spontan rot werde im Gesicht. Sofort ergreift sie die erforderlichen Maßnahmen. Da ist er wieder, der allergische Anfall, Atemnot, alles schnürrt sich in meinem Hals zusammen, ich habe Panik, unglaubliche Angst, das alles geht in Sekundenschnelle. Nichts scheint es aufhalten zu können. Ich bekomme sofort Cortison, aber ich spüre keine Linderung….. Gut, dass wir vorher darüber so ausführlich gesprochen haben!!! Alles wie beim letzten Mal. 

Man kann Fehler machen, aber einen Fehler gleich zweimal zu machen, das ist schon ziemlich dumm…..Warum hat man mir die Immuntherapie wieder angehängt, wenn ich doch schon beim ersten Male so extrem reagiere??….aber alles muss ich nicht verstehen und nachvollziehen können. 

In meiner Panik mache ich mir darum auch gerade keine Gedanken….. Ich versuche einfach nur zu atmen, so gut wie es geht….. 

Alle sind entsetzt, versuchen, mich zu beruhigen. Dabei tritt genau das Gegenteil ein. Betüddelung von rechts und links, das ist zuviel für mich…. Mir wird Asthmaspray unter die Nase gehalten. Ich solle auf die Sprühflasche drücken und den Sprühstrahl direkt einatmen. Das scheitert schon daran, dass ich gar keine Kraft habe, diesen Knopf zu betätigen. Eine Schwester drückt für mich und ich atme ein, allerdings nicht synchron mit dem Sprühstrahl…… Außerdem habe ich keinerlei Erfahrung mit Asthmaspray…., das kenne ich nur von meiner Oma und fand es damals schon fürchterlich.

Als alles nichts hilft, lässt man mich erstmal zur Ruhe kommen, dann tritt langsam Linderung ein…..ganz langsam….

Der Arzt wird informiert und man verspricht mir, beim nächsten Zyklus keine Immuntherapie mehr zu geben….. 

Wir brechen die Chemo hier ab. Ich bin fix und fertig. Ein Beutelchen Antikörper müsste ich noch bekommen, der bleibt liegen. Da dieser aber noch zwei Tage haltbar ist, schlägt man mir vor, tags darauf nochmal wiederzukommen, damit man ihn mir verabreichen kann. 

Ich lehne ab, das schaffe ich nicht, einen Tag nach der Chemo kann ich gar nicht aufstehen….. 

Wir einigen uns auf den übernächsten Tag und fahren mit dem Taxi wieder nach Hause. Es ist mittlerweile wie immer schon Abend. Gegen 20 Uhr sind wir wieder Zuhause. 

Merkwürdigerweise bin ich am nächsten Tag das reine Stehaufmännchen. Ich laufe durch die Wohnung und bin ziemlich aktiv. So kenne ich mich gar nicht. 

Dafür bin ich am verabredeten Tag, an dem es wieder zur Uniklinik gehen soll, ziemlich müde und gar nicht zu gebrauchen. So fängt die Prozedur von vorne an, Vene finden, Zugang legen…..dann hoch in den Therapieraum. Hier steht mir heute leider kein Bett zur Verfügung, aber das Beutelchen läuft ja in einer halben Stunde durch, sagt man mir…..ich bekomme aber Decke und Kopfkissen. Das ist schon viel Wert. Dann kommt noch ein Beutelchen dazu und noch eins und noch ein wenig Flüssigkeit, damit ich zu Kräften komme…..und zack sitze ich dort über 3 Stunden…. 

Gegen Mittag werde ich mit dem Taxi wieder Zuhause abgesetzt. Mit Mühe und Not krieche ich die Treppen hoch. 

Ich bin seelig, wieder Daheim zu sein…..mein Bett ruft….. 

Diese Chemozeit ist keine schöne und keine leichte für mich und besonders nicht für meinen Mann. Das möchte ich einmal feststellen. Aber es geht anderen bestimmt genauso oder gar noch schlimmer. Daher möchte ich hier auch gar keine Vergleiche anstellen! Ich spreche nur für mich. Besonders schlimm ist es, dass ich zwischendurch das Haus nicht verlassen kann, weil ich einfach zu schwach bin. Sobald ich mich ein wenig bewege, muss ich mich auch schon wieder hinlegen. Die Treppen schaffe ich alleine schon einmal gar nicht. 

Doch Bewegung muss sein, dann eben innerhalb der Räume. Auch mit dem Essen klappt es Tag für Tag besser, leider aber nicht ausreichend genug. 48 kg bei 1,71 m ist Untergewicht. Übergewicht wollte ich loswerden, aber Untergewicht war nicht mein Traum…. 

Doch so hoffe ich, wird auch das besser werden, wenn erstmal alles überstanden ist. 

Der 4. und vorerst letzte Chemo-Zyklus steht schon wieder Hufe scharrend vor der Tür…….. 
Na dann, auf ein Neues…..

Michaela Schmidt - 04:47 | 1 Kommentar

  1. Biene

    13.03.2020

    Michi, du lässt uns Einsicht in deine Gefühlswelt nehmen und du kannst so gut schreiben, dass man wieder auf das nächste Kapitel wartet. Du hast trotz deiner Krankheit nicht aufgegeben und zeigst immer auf, dass man das Leben genießen soll und du schaffst es in einigen vorherigen Kapiteln, als du z.B. im Urlaub warst , durch Anekdötchen auch, dass man ab und an schmunzeln muss , so wie du schreibst. Behalte dir das Schreiben bei, wenn du kannst, es macht dir Freude und du kannst es schließlich sehr gut!! Alles alles Liebe und Gute von ganzem Herzen von deiner allerlängsten Freundin ( 46 Jahre!!) Fühl dich mega gedrückt von uns!! Deine Biene und Familie

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