Zwei Schicksalsschläge an einem Tag

und plötzlich ist alles anders...

Schön, dass Du da bist auf meiner Lebensbühne!

(Das Leben ist ein Schauspielhaus - das Schicksal teilt die Rollen aus...)

 

10.11.2019

Der Tag danach

12.10.2019

Gestern in der Uniklinik… das war ein Tag, an dem Du sagst: Jo, läuft…

Um 9.30 Uhr werde ich vom Taxiunternehmen abgeholt. Der, mit meiner damaligen Ärztin zuvor ausgemachte Termin, beginnt um 11 Uhr. Bei den aktuellen Verkehrsbedingungen muss man ja schon allein für die Hinfahrt immer viel Zeit einplanen. Der Taxifahrer ist sehr nett, wir unterhalten uns gut und so geht die Zeit schnell um. Gegen 10.15 Uhr stehe ich schon an der Anmeldung. Dort gebe ich Überweisung und Versichertenkarte ab und muss hören, dass mein Termin gar nicht im Computer steht. Aber man nimmt mich auf in den Tagesablauf und schickt mich direkt zur Blutabnahme ins Labor. Gut, denke ich, läuft!

Im Labor gibt man mir auch gleich das Kontrastmittel zum Selberanrühren für meinen nächsten CT - Termin im November mit. Der steht zumindest schon mal fest. Die Post  habe ich bereits schwarz auf weiß erhalten. Nun denn, ab ins Wartezimmer.

Um mir dort die Zeit etwas zu vertreiben, bin ich in Kontakt mit meinem Büro und später lese ich ein wenig…

Das Tibetanische Buch vom Leben und vom Sterben! Eine Empfehlung von Blogautorin Dana Heidrich. Ich hoffe sehr, dass es mir genauso hilft wie ihr.

Doch irgendwie wird es immer später und ein “Frau Schmidt” habe ich bislang noch nicht gehört. Mittlerweile ist es 11.30 Uhr. Gut, etwas Warten muss man ja immer. Das muss jeder Patient hier einplanen. Ich bleibe gechillt, obwohl ich innerlich hoch angespannt bin. Das macht sich auch sehr an meiner Haut bemerkbar. Wie wird das Gespräch mit der neuen Ärztin wohl verlaufen?

Um 13 Uhr gehe ich nach vorne zur Anmeldung, um sicher zu gehen, dass man mich nicht vergessen hat, wenn man mit meinem Termin schon so verfahren ist. Natürlich, ich habe Geduld - was hätte ich auch sonst noch so vor am Tag…?

Wieder sitze ich im Warteraum und nehme mir abwechselnd das Buch und das Handy vor. Irgendwann, man höre, erklingt der sehnlichst erwartete Aufruf: “Frau Schmidt” durch den Raum. Hocherfreut springe ich auf, doch die Sprechstundenhilfe will mir nur mitteilen, dass ich doch jetzt gehen könne, das CT habe ich ja schon hinter mir und …. - Ich unterbreche sie nett, nichts habe ich hinter mir, ich suche das Gespräch mit der Ärztin, da es doch zunächst einmal darum geht, die Blutwerte zu erfahren und weitere Einzelheiten zu besprechen. Mein Gegenüber ist erstaunt. Sie bittet mich nochmals um Geduld und verspricht, das zu klären.

Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit werde ich dann von der “neuen” Ärztin aufgerufen.

Zunächst bittet sie mich, vor ihrer Tür Platz zu nehmen, damit sie meine Akte vorab lesen könne. Klar, ich warte also vor der Tür. Nach einigen Minuten bittet sie mich hinein. Ich stelle ihr meine Fragen und sie antwortet - trotz Zeitdruck - sehr höflich und ausführlich. Den Zusammenhang erkläre ich ihr nicht. Sie weiß nicht, dass ich nervlich aufgrund der gegebenen Umstände sehr zart beseitet bin. Sie kennt meine Umstände nicht. Es bleibt dafür auch keine Zeit. Das Gesamtbild kennt sie also nicht. Sie kennt meine Akte und meine Akne im Gesicht, an den Beinen und die aufgeplatzten Zehen und Finger. Sie möchte mir helfen und verschreibt mir weitere Tabletten gegen Akne und diese seien, da es ein leichtes Antibiotikum ist, auch bakteriell geeignet für die aufgeplatzten Stellen an den Zehen von Wirksamkeit - hoffentlich. Meine Begeisterung kennt Grenzen und diese sind in diesem Fall ganz schnell erreicht. Noch mehr Tabletten, die ich mindestens bis Ende November einnehmen soll? Sie merkt sofort, ich bin kein Freund von diesen. So nehme ich meinen kleinen blauen Ordnungshüter, weil ich keine andere Wahl habe. Nicht mehr und nicht weniger.

In der Apotheke konnte man mir heute nicht guten Gewissens dazu raten, diese Tabletten (Minocyclin) zu nehmen, da diese doch durchaus neben vielen anderen möglichen unbeliebten Begleiterscheinungen auch die Leber schädigen können. Da ich an der Leber ein Blutgerinsel habe, weswegen Thrombosegefahr besteht, ist es auch so wichtig, dass die Leberwerte sich nicht verschlechtern. Giotrif/Afatinib kann die Leber ebenfalls schädigen. Doch auf diese Tablette bin ich angewiesen.

Nun bin ich zwiegespalten. Wie immer! Sollte sich damit jmd. auskennen, der mag mich bitte bitte informieren! Am liebsten unverzüglich.

Weiter gestern in der Uniklinik: Um 15 Uhr stehe ich unten vor der WTZ Ambulanz und warte auf mein Taxi.

Ein Mercedes (unbezahlte Werbung) fährt vor und ein mir gleich sehr sympathischer älterer Herr ruft: “Ich möchte Michaela abholen.”  Amüsiert sage ich: “Michaela kommt runter.” Ich steige als Beifahrer ein und er fragt lächelnd, ob ich nicht etwas für ihn hätte…? Ach ja, der Taxischein, ich fische ihn vom Rücksitz aus meinem Korb. Und sogleich habe  ich das Gefühl, als kenne ich ihn schon ewig. Ein wenig erinnert er mich an meinen längst verstorbenen Onkel Bodo, der Bruder meiner Mama. Wir sind sogleich in ein Gespräch vertieft, als wir an der roten Ampel stehend einen jungen Mann vor uns beobachten, der auf der Fahrbahn für die Wartenden mit 3 Bällen jongliert. Klar, werdet Ihr Euch fragen, was ist daran Besonders? Das will ich Euch sagen: Als der junge Mann zum Jonglieren einen Arm nach hinten nimmt, schaut es so aus, als wäre er so beweglich wie die Puppen aus dem Gloria Theater. Der Arm ist an der Schulter gänzlich abgeknickt, das gleiche ist auch am anderen Arm sichtbar. Künstlerisch und gleichzeitig unglaublich anzusehen.

Wir geben ihm Geld und fahren weiter. Da ich nicht so schnell mein Portemonnaie zücken konnte, gebe ich dem Taxifahrer ein Geldstück, welches er dem jungen Jongleur beim nächsten Zusammentreffen überreichen soll. Mittlerweile stellt sich heraus, es chauffiert mich der Seniorchef persönlich nach Hause.

Wir kommen in den Stau und obwohl wir gute 1 1/2 Stunden Fahrzeit brauchen, bis ich Zuhause ankomme, war die Fahrt sehr angenehm, lustig und kurzweilig.

Zuhause angekommen, wartet Micha schon mit dem Essen auf mich. Ich werde bekocht, meine Blutwerte sind völlig in Ordnung. Und doch breitet sich in mir ein deprimierendes Gefühl aus.

Alles ist in Ordnung, sage ich mir, bis auf einige kleine Blutwerte, wie z.B. der Calciumwert (hat wohl etwas mit der Knochenmetastase zu tun, die es wohl nun doch gab) und überhaupt habe ich erfahren, dass zwar der Tumor ganz klein geworden ist, doch die anderen Baustellen (Metastasen) sind noch da. Daher kommt eine OP im Augenblick gar nicht in Frage, wenn überhaupt. Das Gespräch mit der neuen Ärztin lässt mich meine Gesundheit in einem anderen Licht sehen. Ich bin noch nicht so gesund, wie ich geglaubt habe.

Mit den Nerven bin ich durch. Der Tag war lang, das Ergebnis ist super, aber nicht so super, wie ich mir bisher eingebildet habe. Etwas liegt quer im Magen und nach langem Grübeln stelle ich fest, dass es das reine Gespräch von Ärztin zu Patientin ist, rein über die abgelegten Befunde, nachgelesen am PC, ohne Hintergrundwissen, welcher Mensch hinter der Patientin wirklich steckt. Dabei war sie unglaublich nett und sehr sympathisch!!

Heute geht es mir wieder besser. Die Gedanken ordnen sich. Die Medikamente sind abgeholt. Aber ich höre erst einmal auf mein Bauchgefühl und sammele - mich und gerne weitere Meinungen.

Michaela Schmidt - 17:02 | Kommentar hinzufügen

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