Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.


Glauben Sie an das Schicksal? Glauben Sie daran, dass Freud und Leid oftmals ganz nahe beieinander liegen?

Ich zumindest glaube daran….oder nennen Sie es einfach “nur Zufall”....? Ich schildere Ihnen mein Erlebnis mal aus meiner Sicht….und Sie entscheiden….Zufall oder Schicksal….!?

Als mich meine Chefin der Pfotenakademie Ruhrgebiet (Hundeschule und Seminarzentrum) in Marl, Pia Gröning, im Herbst 2014 anrief, sie hätte von jetzt auf gleich eine Entscheidung zu treffen und ob ich ihr dabei helfen würde, wenn sie “ja” sage zu einer Hündin von der Organisation “Bretonen in Not e.V.”, die zwar bereits vermittelt sei, aber dennoch trächtig, denn wenn sie “nein” sagen würde, würden die Embryos tags darauf einfach abgetrieben, ….so sagte ich ohne weiter zu überlegen natürlich “JA”!
Es gab für mich auch nur die Varianten “Ja” oder “Ja”….(und für Pia auch)!

Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich einlassen würde, vorrangig war einfach nur, diese ungeborenen kleinen zarten, unschuldigen Wesen vor dem sicheren Tod zu retten, aber es sollte das aufregendste Abenteuer meines Lebens werden…

Die trächtige Hündin Mala (eine Bretonen-Hündin) wurde uns im Oktober 2014 gebracht und zog bei uns in Marl ein. Sie sah aus wie eine schwangere Bergziege, erinnerte mich aber von ihrer Art und Verhaltensweise (sehr liebenswert und gutmütig) an unsere vor knapp einem Jahr verstorbene Hündin Berta-Lotte.
(Bretonen-Mix aus Spanien, die uns damals über die Organisation Hundepfoten in Not und Pia Gröning vermittelt wurde. www.Der-Tierschutzhund.de/Berta)

Ich änderte meine Arbeitszeiten und ging morgens früh vor Bürobeginn mit Mala die Morgenrunde.Trächtig wie sie war, scharrte sie hier und grub dort - immer wieder wurde ich auf ihre rundliche Figur angesprochen. Der Winter kam, der Schnee fiel, im Mäntelchen machte sie eine tolle Figur,….aber wir fragten uns, wann kommen die Kleinen? ….Eigentlich sollte es jeden Tag geschehen,…...die Sonne schien am 29.12.2014 und wir machten gegen Mittag einen schönen Spaziergang durch den an unserer Pfotenakademie gelegenen Wald, als mich Mala um Punkt 14 Uhr plötzlich anschaute und entschlossen umkehrte.
Für mich persönlich ein ganz besonderer, emotionaler Zeitpunkt, denn es war auf die Minute genau Berta´s Todesstunde vor ganz genau einem Jahr, auch damals schien die Sonne - wie auch jetzt…...und Mala spürte wohl, dass es gleich losgehe….....Ich hatte mich ein Jahr lang vor diesem 1. Todestag Berta´s gefürchtet,….jetzt hatte ich keine Zeit in Trauer zu versinken, jetzt mussten wir schnell zurück nach Hause..

Auf dem Grundstück der Pfotenakademie angekommen, hier hatten wir schon Wochen zuvor die Welpenkiste mit Schlafcouch daneben vorbereitet,…..so machte es sich Mala gleich wie selbstverständlich auf einem der blauen Sessel im Eingangsbereich bequem. Sie schaffte es tatsächlich noch draufzuspringen und rollte sich ein. Stand wieder auf und fing wie besessen an, auf dem Sitz herumzukratzen. Ich versuchte, sie von ihrem Nestbau abzuhalten, jedoch schwerlich. Als sie sich wieder hinlegte, konnte ich die Bewegungen der Kleinen in ihrem Bauch deutlich sehen……und spüren.

Ich blieb neben Mala sitzen und streichelte sie. Sie schien sehr ruhig und ich beobachtete die kleinen Beulen, die sich in ihrem Bauch immer wieder auftaten. Nach ca. einer Stunde traf Pia ein und löste mich ab. Ein wenig unruhig fuhr ich nach Hause. Pia telefonierte noch in ihrem Büro, Mala blieb störrisch auf “ihrem” blauen Sessel und keine Stunde später war Welpe Nr. 1 geboren…..auf eben diesem blauen Ledersessel im Eingangsbereich…!
Als mich Pia´s Nachricht erreichte, Welpe Nr. 1 sei da, “flog” ich förmlich zurück nach Marl….

Inzwischen zog Mala um, immer mit Argusaugen beobachtend, wohin man ihr Erstgeborenes trug…...Der Umzug in die Welpenkiste wurde vollzogen und als ich wieder vor Ort war, wurde gerade Welpe Nr. 4 geboren. Natürlich habe ich alles per Video festgehalten,…..während die weiteren Hebammen Stephi, Pia und Kirsten sich erst einmal auf dem Boden neben der Welpenkiste sitzend und schwatzend mit einer Pizza stärken mussten….Bon Appetit…!

Fasziniert waren wir alle Vier- ob mit oder ohne Pizza - von Mala, die mit ihrem einen Jahr Lebenserfahrung eine Geburt von 8 Welpen ganz alleine vollzog…..es war eine schmierige, blutige Angelegenheit…..wir, die Hebammen, waren wahrscheinlich angstvoller und aufgeregter als diese kleine Bretonin, die, sobald sie ein Kleines herausgepresst hatte, wie selbstverständlich die Fruchtblase zerbiss und das Kleine abschleckte, so dass nur noch ein paar Blutflecke auf dem Laken an das große Ereignis erinnerten. Wundervoll, wie gut die Natur dies so eingerichtet hat! Wir Menschen dagegen besuchen Schwangerschaftskurse und sind bei einer Geburt dann doch meistens auf die Hilfe Dritter angewiesen…...Mala machte alles schön allein - und das mit einer Ruhe, die ich mir manchmal selbst wünschen würde. Oder hatten wir einfach nur Glück, dass es keine Komplikationen gab?

Die betreuende Tierärztin war sich bei den Voruntersuchungen nicht ganz sicher, wieviele Welpen denn nun zu erwarten wären und sie entschloss sich zu folgender Aussage: “möglicherweise 3 - 5 Welpen, mehr würden es wohl nicht sein”…..mmmmh…..als sich dann zu guter letzt (wie wir glaubten) Welpe Nr. 7 herausdrängte, beschlossen wir, nun erleichtert aufzuatmen, alles war gut gelaufen…..Mutter und Kinder sind gesund und munter…...denn das waren die kleinen Wesen sichtlich….und auch Mama Mala war mit Sicherheit in dieser Situation agiler als wir “Hebammen”.....mittlerweile war es schon 23 Uhr an diesem 29.12.2014….und ich verspürte wenig Lust, jetzt noch nach Hause zu fahren, so dass ich mein Nachtlager direkt neben der Welpenkiste aufschlug…….ich versuchte ein bisschen zu schlafen….so ein Erlebnis muss man erst einmal verarbeiten…...als ich gegen 1 Uhr am Morgen des 30.12.2014 ein seltsam bekanntes schmatzendes Geräusch vernahm…...als ich mit der Taschenlampe in die Welpenkiste leuchtete, sah ich Welpe Nr. 8 ankommen, sofort setzte ich die Kamera in Gang, wenn man eh nicht richtig schläft, so funktioniert man komischerweise sehr gut, wenn es drauf ankommt…...und so durfte ich Welpe Nr. 8 zusammen mit Mala und den 7 Geschwistern auf dieser Welt begrüßen.

Wer so etwas noch nicht hautnah erleben durfte, kann sich kaum vorstellen, welch unbeschreibliches Glück man dabei empfindet. Ich sah diesen etwas schmächtig wirkenden kleinen schwarz-weiß gefleckten Welpen…..um ein Auge herum zierte ein schwarzer Ring…..und ich dachte sofort an das letzte Buch, welches ich damals gelesen hatte, das Buch von HaPe Kerkeling, der auf seinem Jakobsweg einmal falsch abgebogen war und so einen Hund in einer kargen Landschaft bei großer Hitze an einen Baum angebunden sah. Er sagte sich, wenn er diesen Weg nicht genommen hätte, wäre dieser Hund an diesem Baum elendig verkümmert und eigentlich wollte er jetzt nicht noch einen Hund mit sich schleppen, doch er nahm diesen Hund mit und nannte ihn Pepe…...so kam ich auf Pepe…..und ich dachte, wenn wir nicht JA gesagt hätten, gäbe es diese 8 bezaubernden Wesen wohlmöglich gar nicht…...weiter mochte ich darüber nicht nachdenken…..es war richtig, dass wir genauso abgebogen und genau diesen Weg gegangen sind!!!
Pepe heißt im Übrigen heute in seiner neuen Familie Oskar de Pepe :-)

Was folgte, war eine aufregende und natürlich auch zermürbende Zeit…..Anfangs, als die Kleinen noch aussahen wie Meerschweinchen, musste man nur Mala manchmal ermahnen, dass gerade sie als Mutter und Milchquelle nicht wirklich die Flucht ergreifen durfte...Sie war vorbildlich und sehr tapfer…..vorallem hat sie erlaubt, dass wir die Kleinen anfassen und wiegen durften,…..sie war sehr verständnisvoll.

Als die Kleinen heranwuchsen, wäre es sicherlich leichter gewesen, eine Tüte Mücken zu hüten…..Ganz zu Anfang, wenn ich morgens mit Mala die Morgenrunde drehte, drehten sich die Kleinen in der Welpenkiste nochmals herum und schmiegten sich an den Herrn Gorilla (ein im Gegensatz zu den Mini-Welpen überdimensional großer Stofftier-Affe), den Pia ihnen in die Kiste gesetzt hatte, damit sie eine Kontaktperson hatten, wenn Mala mal flüchtig wurde. Mal hat sie ein wenig Ruhe in einem abgestellten Wäschekorb gesucht oder in unserem Präsentkorb, mit dem wir die Welpen (anfangs noch alle zusammen) vom Spielzimmer in mein Büro tragen konnten.

Als die Kleinen aber “Beine” bekamen, habe ich vor der Tür unseres kleinen Seminarraums, der als Spiel- und Wohnraum der kleinen Familie diente, erst einmal dreimal tief Luft geholt, bevor ich die Tür öffnete, um den kleinen Schwarm schwanzwedelnd, wuselnd und an mir hängend zu empfangen….man kann sich nicht vorstellen, wie spitz und messerscharf kleine süße Milchzähne sein können….

Sie hatten ein wahrlich wunderschönes Spielzimmer bei uns in der Pfotenakademie, so manches Kind wäre ziemlich neidisch gewesen. Hier konnten sie toben, raufen, klettern, kuscheln, herumtollen und verschiedene Materialien und Formen ausprobieren.

Pia hatte immer wieder neue Ideen, wie man die Kleinen beschäftigen konnte und unsere ersten Ausflüge waren das reinste Abenteuer, nicht nur für die Welpen.

Das gemeinsame Essen, die große Fütterungen, wurden immer zur gleichen Zeit, mal im Spielzimmer, mal draußen (auch bei Schnee und in der Kälte - zur Stärkung des Immunsystems) verabreicht. Mit der Büffelhornpfeife wurde die jeweilige Mahlzeit angekündigt und wie flink die Kleinen auf Pfiff reagierten, wie schnell sie lernten und kombinierten, nun, sie hatten auch eine wirklich gute Kinderstube und eine tolle Lehrerin (Pia)!

Das Hören bzw. Reagieren auf den Pfiff der Büffelhornpfeife haben wir auf unseren Ausflügen geübt. Auf einen großen Sandhügel sind die Kleinen auf Pfiff hoch und anschließend wieder bergab geklettert. Selbstverständlich nicht ohne Futterbelohnung.
Dabei lernten sie auch, dass Sandhügel durchaus rutschig und manchmal auch matschig sein können. Auf den Spaziergängen durch den Wald lernten sie Tümpel kennen und flutschten auch schon einmal hinein……(nicht ohne, dass mein Herz stehenblieb)…..Der kleine Dick zum Beispiel war da etwas vorsichtiger,….selbst eine Pfütze wollte er nicht überqueren, sondern umrunden und als das nicht möglich war, tapste er äußerst vorsichtig durch dieselbe….
Es war schon sehr herrlich anzusehen, wie sich die Welpen entwickelten, welche unterschiedlichen Charaktere man schon recht früh erkennen konnte.

Leider haben wir die Bollerwagenfahrt zu spät begonnen, da dieser zu spät geliefert wurde, denn acht Welpen im Alter von ca. 5 bis 6 Wochen lassen sich nicht mehr einfach so in einen Bollerwagen setzen und kutschieren. Sie wuseln herum und springen einer nach dem anderen heraus.

Ich denke, ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, unsere 8 Welpen hatten eine sehr gute Kinderstube. Wir haben es uns nicht leicht gemacht, alle 8 Welpen nacheinander loszulassen.

Die Auswahl der Interessenten haben wir bewußt und durchdacht vorgenommen. Viele hätten die Welpen, weil ja ach so niedlich, einfach so mitgenommen….es gab Anfragen, die mag ich hier auch gar nicht kommentieren. Was sich diese Menschen dabei denken, ist mir schleierhaft.

Es ist eine wunderbare Tatsache, dass wir wirklich 8 wundervolle Familien gefunden haben, denen wir unsere 8 Heranwachsenden guten Gewissens übergeben und anvertraut haben.
Sie kamen nicht nur aus dem Umkreis, aber sie nahmen sich Zeit und machten sich Gedanken über ihre Wahl. Es folgten Gespräche und Gedankenaustausch, dann Entscheidungen.

Wir haben fast alle Racker nach einem guten halben Jahr wieder bei uns in der Pfotenakademie wiedersehen dürfen. (Drei von ihnen blieben in unserer Nähe wohnen.) Es war überwältigend, von den “Kleinen” so stürmisch begrüßt zu werden.
Durch die super Idee von Pia, eine Facebook Gruppe für uns und alle Welpeneltern einzurichten, konnten bzw. können wir das Heranwachsen unserer Schützlinge im Netz verfolgen und mit den Eltern und die Eltern untereinander kommunizieren.

Von der Organisation Bretonen in Not e.V. haben wir als Dankeschön einen persönlichen Text mit vielen Bildern der kleinen Welpen, zusammengestellt in einem Buch, geschenkt bekommen, worüber ich mich so freue und noch heute sehr gerührt bin.
Wir haben doch zu danken für dieses einzigartige, wundervolle Erlebnis!!!

Wir haben alles richtig gemacht - und wir werden es wieder tun - irgendwann….

Cookie-Regelung

Diese Website verwendet Cookies, zum Speichern von Informationen auf Ihrem Computer.

Stimmen Sie dem zu?